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Honest Tea: Seth Goldman verrät, wie man eine Marke etabliert

08.03.2019
Lea Birke

Wir haben mit Seth Goldman, Co-Gründer der Firma Honest Tea, geplaudert – über Gesundheit, Nachhaltigkeit und Durst auf... weniger.

EMOTION: Seth, vor über 20 Jahren gründeten Sie Ihre Firma Honest Tea. Wie kam Ihnen die Idee?

Seth Goldman: Ich hatte Durst. Aber keines der Getränke, die es auf dem Markt gab, machte mich wirklich glücklich. Alle Softdrinks enthielten viel zu viel Zucker und chemische Zusatzstoffe. Ich mache viel Sport und war auf der Suche nach dem perfekten Sportdrink, aber den gab es einfach nicht. Da sah ich eine Marktlücke. Zusammen mit meinem ehemaligen Professor Barry Nalebuff kam ich dann auf die Idee, selbst eine Firma zu gründen – für nachhaltig produzierten, biologisch angebauten, weniger süßen Eistee.

Wie werden die Getränke denn gesüßt?

Wir verwenden Bio-Zucker, aber viel weniger als in herkömmlichen Eistees.

Und was genau ist "honest" an Ihrem Tee und Ihrer Marke?

Uns ist es wichtig, auf jeder Ebene fair und nachhaltig zu sein. Die wichtigsten Aspekte sind die Zutaten, der Anbau, die Produktion, Löhne und Arbeitsbedingungen und die Transparenz. Wir streben "honest" Beziehungen zu unseren Kunden, Zulieferern und der Umwelt an, legen viel Wert auf Gesundheit und Wohlbefinden. Zudem versuchen wir, unseren ökologischen Fußabdruck zu verbessern und auch wirtschaftliche Möglichkeiten in den Anbauländern zu schaffen, wie z. B. sauberes Trinkwasser für unsere Partner in Indien. Unser Motto ist: Wenn es nicht bio ist, ist es nicht "honest" – aber das ist nicht alles. Eines unserer Stichwörter heißt "democratizing organics" und dabei geht es darum, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Fair Trade zu erweitern und Menschen in allen Teilen der Gesellschaft Zugang zu biologischen Getränken zu ermöglichen.

Ein wichtiger Faktor ist auch die Verpackung. Wir arbeiten stets daran, die Verpackungen überall auf der Welt zu optimieren. Besonders in Deutschland wird viel recycelt und das nehmen wir uns als Vorbild für andere Länder. Hier haben wir Glasflaschen, die die Cradle-to-Cradle-Zertifizierung haben. Die Nachhaltigkeit soll also nicht nur im Getränk selbst stecken, sondern in allen Bereichen.

 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Mittlerweile sind Ihre Getränke weltweit bekannt. War der Start schwer?

Oh ja... Als wir Honest Tea 1998 gegründet haben, war es ziemlich schwer, biologische Zutaten zu finden. Und nicht nur das. Die Nachfrage nach nachhaltigen, gesunden Produkten war wesentlich niedriger als sie heute ist. Die Leute wussten noch nicht so viel über Nachhaltigkeit und auch in den Medien waren diese Themen noch nicht so weit verbreitet. Da war es recht mühsam, unsere Produkte zu vertreiben und bekannter zu machen.

Am Anfang habe ich den Tee zu Hause in der Küche selbst gebrüht und bin dann mit dem Produkt von einem Laden zum nächsten gegangen und habe gefragt, ob sie es nicht verkaufen möchten. Es war ein anstrengender Prozess, aber es hat funktioniert – der Tee wurde verkauft und kam super an. Heute sind wir Marktführer und die größte Firma für nachhaltig produzierten Tee.

2011 kaufte der Coca-Cola-Konzern Ihre Firma auf. Wie können Sie Ihre Werte und die Philosophie von Honest Tea damit vereinbaren?

Für uns war das ein wichtiger Schritt, denn der Name Coca Cola hat dazu beigetragen, dass wir plötzlich eine viel weitere Reichweite hatten und enorm an Bekanntheit gewonnen haben. Und für viele Regionen der Welt ist Honest das erste Bioprodukt, das vom Coca-Cola-Konzern getragen wurde. Seit wir zu dem Konzern gehören, ist dieser viel mehr in Fair Trade involviert als zuvor. Abgesehen davon ist es nur der Name Coca Cola, der nun darauf steht. Am Produkt und dessen Qualität hat sich absolut nichts geändert. Es ist alles in der Flasche, die Mission steckt in der Flasche.

Stecken Sie denn nach wie vor in der Firma drin?

Absolut! Und das ist mir auch wahnsinnig wichtig. Umwelt, Nachhaltigkeit und eine gesunde Lebensweise liegen mir sehr am Herzen und das wollte ich auf keinen Fall einfach abgeben.

 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag für Sie aus?

Morgens fahre ich immer mit dem Fahrrad zur Arbeit. Der Weg bis zum Büro ist nur eine Meile lang, aber es ist ein Weg, auf dem es keine Autos gibt, und es ist total schön, diesen Puffer zu haben. So starte ich immer gut in den Tag und mache mir einen "Slow Morning".

Auch wenn ich die meiste Zeit drinnen im Büro verbringe, finde ich immer Zeit für Sport. Ich nehme an Triathlons teil, also ist es meist entweder Laufen, Fahrradfahren oder Schwimmen. In der Natur zu sein ist eine tolle Art, Anspannung oder Probleme loszuwerden, über Dinge nachzudenken und Ideen zu bekommen. Im Büro sprechen wir dann viel über Innovation. Wie finden wir den nächsten Schritt in unserer Expansion, das nächste Produkt, die nächsten Kunden? Und auch wenn ich bei meiner anderen Firma Beyond Meat bin, die in Kalifornien sitzt, kann ich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, was ein Glück ist, denn Los Angeles hat furchtbaren Verkehr. Dort geht es dann viel um Wachstumsstrategien. Es ist eine Firma, die gerade an die Börse gegangen ist, also gibt es viele Gespräche mit Investoren.

Was genau macht Beyond Meat?

Wir stellen pflanzlichen Fleischersatz her. Ich bin seit dreizehn Jahren Vegetarier und war früher immer enttäuscht vom Angebot. Die Produkte, die es gab, schmeckten überhaupt nicht, sodass niemand mehr vegetarisch essen wollte. Nun produzieren wir selbst pflanzliche Lebensmittel, die sogar bei vielen Fleischessern beliebt sind.

Die beiden Firmen sind total unterschiedlich. Bei Honest Tea geht es um Einfachheit, um Transparenz und minimale Zutaten. Dabei sprechen wir von einem "undoing" von Nahrungsmitteln. Beyond Meat ist eher ein "redoing" von Nahrungsmitteln. Wir nutzen Wissenschaft um ein Produkt zu kreieren; wir produzieren Patties und mittlerweile auch einen Wurstersatz, der komplett aus Pflanzen ist, ganz ohne GMOs. Es ist eine komplexere Art herzustellen und es ist aufregend zu sehen, wie es sich entwickelt.

In gewisser Weise sind die beiden symbiotisch, obwohl sie ganz unterschiedliche Ansätze haben und auch zwei unabhängige Firmen sind, das muss ich immer wieder klarstellen. Doch oft sind die Kunden dieselben, denn es sind alles Firmen, die Interesse an Nachhaltigkeit und Gesundheit haben.

Nehmen Sie Ihre Inspirationen oft aus dem privaten Umfeld?

Genau. Die Produkte und Ideen liegen meiner Familie und mir sehr am Herzen. Ich habe aber auch oft Meetings mit Kollegen aus der Non-Profit-Welt und viele unserer Ideen kommen aus diesem Bereich. Ich denke darüber nach, was ich erreichen wollen würde, wenn ich ein Non Profit hätte. Und dann denke ich, warum sollte ich diese Dinge nicht auch mit meiner Firma anstreben? Als Unternehmer wollte ich schon immer einen Fuß im Unternehmenswachstum behalten, aber als sozialer Unternehmer geht es mir auch darum, wie meine Arbeit eine positive Auswirkung auf meine Mitmenschen und die Umwelt haben kann.

SLOW-Kollegin Lea traf Seth in Hamburg auf der Gastronomie-Messe INTERNORGA

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Wir haben ganz viele Ideen! Als wir die Firma gegründet haben, haben wir darüber als Honest Tea gesprochen und der Fokus lag auf Tee – in Flaschen, in Teebeuteln… Doch als wir etwa sechs Jahre im Business waren, haben wir gemerkt, dass der Name Honest so viel größer ist als Tee, deshalb kreieren wir immer wieder neue Getränke und Geschmacksrichtungen. Limonade ist eines davon, aber in Großbritannien zum Beispiel gibt es Honest Coffee, in anderen Teilen Europas probieren wir gerade Honest Chocolate aus und in Australien haben wir einen Saft auf den Markt gebracht. Bis vor ein paar Jahren kamen alle Ideen aus Bethesda, Maryland, wo Honest Tea seinen Hauptsitz hat, aber jetzt haben wir verschiedene Einheiten überall auf der Welt, die darüber nachdenken, was unsere Marke alles sein könnte. Es macht total Spaß, zu sehen, in welche Richtungen es für uns auch in Zukunft noch gehen kann.


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