Artikel
0 Kommentare

Mehr Weiblichkeit: Let`s make #likeagirl mean amazing things

#likeagirl

Warum nur glauben wir so oft, wir müssten wie die Männer sein? Nichts gegen Ehrgeiz und Toughness – aber auf Sanftheit, Mütterlichkeit, soziales Denken und die Fähigkeit, manches einfach hinzunehmen, kann man mindestens genauso stolz sein. Unsere Blog-Autorinnen zum Thema „Schöner, stärker, weiblicher“

Befragt man einen Mann zum Thema Männlichkeit, steigt seine Laune um ein Vielfaches. Erwartungsvoll spannt er seinen Bizeps an, strafft das starke Kreuz und setzt in Vorfreude auf ein Gespräch, in dem er nur gewinnen kann, sein strahlendstes Lächeln auf. Anders sieht es jedoch bei den Frauen aus. Sie bekommen bei der Frage nach ihrer Definition von „Frau sein“ oft eine mittelschwere Krise. Während Männlichkeit als erfolgsversprechendes Totschlagargument gilt, wird der Ausdruck „typisch Frau“ als Beleidigung missbraucht, der es anscheinend nichts entgegenzusetzen gibt. Ziemlich unfair, wie ich finde. Wie kann es sein, dass uns der Vorwurf, sich wie eine Frau zu verhalten, dann tatsächlich manchmal verletzt?

In diesem Zusammenhang öffnete mir der Werbe-Spot von Hygieneartikelhersteller „Always“, aus dem Sommer 2014, die Augen. Hierin fordert Dokumentarfilmerin Lauren Greenfield Mädchen, Frauen, Jungen und einen Mann auf, Dinge „like a girl“ zu tun. „Just do the first thing that comes to your mind when i say: Show me what it looks like to run like a girl“ oder „Show me what it looks like to fight like a girl“.
Die Reaktionen der Mädchen und Jungen im pubertierenden Alter sind sehr ähnlich: Sie hampeln vor der Kamera auf und ab, schleudern ihre Beine unkontrolliert hin und her und paddeln beim „Kämpfen wie ein Mädchen“ mit den Händen orientierungslos in der Luft herum. Bemerkenswert anders reagieren Mädchen zwischen sechs und zehn Jahren auf Greenfield`s Aufforderungen: Sie sind ambitioniert, geben ihr Bestes und zeigen sich sportlich und ehrgeizig!

Besonders im Alter zwischen 10 und 12 Jahren sind wir für die Beleidigung „typisch Mädchen“ empfänglich. In einem Alter, in dem wir herausfinden, wer wir sein wollen und wie wir uns in soziale Systemen am besten eingliedern, trifft uns dieser Vorwurf unnatürlich hart. Er impliziert, wir seien nicht so stark wie Männer, nicht so erfolgreich.
Das kratzt an unserem Selbstbewusstsein. Dass Frauen den Männern körperlich oft von Natur aus unterlegen sind ist eine Tatsache, an der wir wenig ändern können. Allerdings projizieren wir diese physische Schwäche in dem zerbrechlichen Alter des Heranwachsens schnell auf unser gesamtes Wesen. Das prägt unser Selbstbild bis ins Erwachsenenalter hinein. In einer männerdominierten Welt bekommt man schnell den Eindruck, sich ebenfalls wie ein Mann verhalten zu müssen, um darin bestehen zu können.

Vor diesem Hintergrund werden erwachsene Frauen in dem #likeagirl-Spot nach Ratschlägen gefragt, die sie jüngeren Mädchen geben können, die mit der Beleidigung „typisch Frau“ zu hadern haben. So liegt der Schlüssel in der Einstellung. „Typisch Frau“ ist keine Beleidigung, sondern ein Fakt. Wir verhalten uns wie Frauen, weil wir Frauen sind. Frauen voller Sinnlichkeit, die die Vielfalt des Lebens feiern. Frauen sind wie kleine Kaleidoskope, die die Welt bunter machen, lebenswerter, aufrlaura suhm emotionegender. Und darauf können wir so stolz sein. (Vergleiche EMOTION.Dossier „Weiblichkeit“ von S. Buchholz)

In dem Video bekommen die zuletzt unsicheren Mädchen nun eine zweite Chance, ihre Bewegungen wie eine Frau auszuführen. Bei diesem zweiten Versuch sind ihre Bewegungen kraftvoll, klar, fokussiert.
Es geht um Selbstbewusstsein, um Reflektion, um Rückgrat. Weiblichkeit ist Sorgfalt und Sanftmut genauso wie Zielstrebigkeit und Begeisterungsfähigkeit. Es tut gut, sich das ab und an ins Gedächtnis zu rufen und so alle geschlechtsspezifischen Anfeindungen an sich abprallen zu lassen. „Why can`t ‚run like a girl‘ also mean win the race?“

Schreibe eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.