Soll das etwa Liebe sein?

Häusliche Gewalt vermeiden

Die ersten Anzeichen sind oft subtil, wenn eine Beziehung ins Bedrohliche kippt. Deshalb sind Achtsamkeit und gute Infos wichtig

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Bild: Elena Helade/Unsplash, Text: Christine Dohler

Übergriffe durch den Partner gelten weltweit als die häufigste Form der Gewalt gegen Frauen. Auch in Deutschland hat fast jede sechste Person körperliche Gewalt in der aktuellen oder einer früheren Partnerschaft erlebt, zeigt eine aktuelle Dunkelfeldstudie von Bundeskriminalamt (BKA) und Bundesregierung, die auch Fälle erfasst, die nie polizeilich gemeldet werden. Noch weiter verbreitet ist demnach psychische Gewalt, bei rund 45 Prozent der Befragten. Und fast jeden Tag wird eine Frau durch ihren (Ex-) Partner getötet. Initiativen wie der Instagram-Account @femizide_stoppen (erhielt einen emotion-Award) benennen jedes Opfer der patriarchalen Gewalt. Bei diesen Zahlen entsteht schnell ein Gefühl von Ohnmacht und Wut. 

Ein Problem ist, dass viele Betroffene – ebenso wie Angehörige – nicht genau einschätzen können, wann die Spirale (emotionaler) Gewalt beginnt. Die Initiative „Liebe ohne Gewalt“ von Yves Saint Laurent Beauty setzt deshalb darauf, frühzeitig über Warnsignale aufzuklären und Wissen zu vermitteln. 

Gewalt ist ein komplexer Prozess. „Für Betroffene klingen die Gründe zu bleiben nicht irrational – sie klingen wie Liebe, Loyalität oder ein Versuch zu überleben“, sagt Psychotherapeutin Dr. Sara Kuburic. Sie hat die Kampagne beratend begleitet und betont, dass Außenstehende Dynamiken häufig unterschätzen. Missbrauch kann mit kontrollierendem Verhalten, etwa Eifersucht, sozialer Isolation, Manipulation oder Einschüchterung beginnen. 

Frühe Warnzeichen zu kennen, ist daher besonders wichtig (siehe die Checkliste der Präventionskampagne unten). Zur Aufklärung beitragen soll u. a. ein kostenloses Online-Training (abuseisnotlove.yslbeauty.com). Das Angebot kann auch für Menschen hilfreich sein, die in ihrem Familien- oder Freundeskreis Beziehungen beobachten, in denen sich übergriffiges Verhalten entwickelt. Zu Beginn der Schulung wird erklärt, dass Gewalt – ob körperlich, psychisch, sexuell oder finanziell – niemals Liebe ist. Klar strukturiert geht es anschließend darum, die Grundlagen zu verstehen: was eine gewalttätige Beziehung kennzeichnet, wie subtile Manipulationen wirken und welche Dynamiken frühzeitig erkannt werden können. 

Dann folgen die praktischen Abschnitte, die besonders berühren: Hier werden typische Verhaltensweisen wie Manipulation gezeigt, die oft verharmlost werden. Der Test zeigt, wie man einer Freundin helfen kann, ohne zu urteilen: zuhören, das Gehörte ernst nehmen, Unterstützung anbieten bzw. dazu ermutigen, professionelle Hilfe anzunehmen – ohne zu drängen, aber dafür mit Klarheit und Empathie. 

Checkliste für neun frühe Warnsignale 

In gesunden Beziehungen überwiegen Sicherheit, Respekt und Vertrauen. Wiederkehrende Angst, Schuldgefühle oder Unsicherheit können Hin-weise darauf sein, dass Hilfe nötig ist. 

• Kontrolle: Der Partner überprüft Nachrichten, Standort oder Kontakte 

• Isolation: Freundschaften oder Familienkontakte werden eingeschränkt 

• Demütigung: Bloßstellen oder abwerten – privat oder öffentlich 

• Verharmlosung: Betroffene reden eigenes Unwohlsein klein („So schlimm ist es nicht“) 

• Verwirrung: Widerspruch zwischen liebevollem Verhalten und Grenzüberschreitungen 

• Angst: Nervosität vor Reaktionen, „Auf Eierschalen laufen“ 

• Selbstzweifel: Gefühl, selbst schuld zu sein oder „nicht genug“ zu sein 

• Körperliche Stressreaktionen: Schlaflosigkeit, Magenprobleme, Herzklopfen 

• Erpressung: Druck durch Drohungen, etwas mit Trennung oder Offenlegen persönlicher Informationen Über die Initiative „Liebe ohne Gewalt“ 



Über die Initiative „Liebe ohne Gewalt“ 

Das Programm ist eine globale Initiative von Yves Saint Laurent Beauty zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt in Partnerschaften. Sie basiert auf vier Säulen: Unterstützung lokaler gemeinnütziger Organisationen, Schulung der Yves Saint Laurent Beauty-Teams, den Beitrag zur Meinungsbildung durch Forschung und groß angelegte Aufklärungskampagnen. Die Initiative versteht sich als Weiterentwicklung des eigenen Empowerment-Anspruchs. General Manager Jonas Lischewski unterstreicht, dass die Marke ihre Reichweite bewusst einsetzt, um Orientierung zu bieten und auf Hilfsangebote aufmerksam zu machen. Mehr Infos auf: yslbeauty.com