SOS-Kinderdorf Barbara Wegener
Bild: SOS-Kinderdorf e.V. / Torsten Kollmer

Mehr als ein Job: Leben und Arbeiten in der SOS-Kinderdorffamilie. Eine betreuende Mutter erzählt

Anzeige
14.10.2020
Emotion Redaktion & SOS-Kinderdorf e.V.

Nicht jedes Kind kann bei den eigenen Eltern aufwachsen. SOS-Kinderdorfmütter und -väter leben als Bezugspersonen mit den Kindern zusammen. Barbara Wegener erzählt von dieser besonderen Aufgabe.

Meine eigenen Kinder waren flügge, und ich hatte doch noch so viel Energie!

Barbara Wegener, SOS-Kinderdorfmutter

SOS-Kinderdorf: Ein schönes Haus mit Bäumen vor der Tür

„Wir wohnen alle zusammen in einem schönen Haus mit Bäumen vor der Tür. Barbara ist immer für uns da. Sie kann sehr gut trösten, knuddeln und kochen.“ So erklären Julia (9), Mona (8), Torben (7), Nils (7) und Oskar (6) das Prinzip SOS-Kinderdorf, in dem sie leben und aufwachsen. Die fünf Kinder bilden mit Kinderdorfmutter Barbara Wegener eine Kinderdorffamilie. Sie leben gemeinsam unter einem Dach und teilen ihren Alltag mit all seinen Höhen und Tiefen.

Ein echtes Herzensprojekt - auch für Quereinsteiger

SOS-Kinderdorf Barbara Wegener

„Das ist manchmal ganz schön turbulent", sagt Barbara. Trotzdem liebt sie ihren Job und ist schon seit mehreren Jahren Kinderdorfmutter aus Leidenschaft. Früher war sie Fremdsprachenkorrespondentin. „Meine eigenen Kinder waren flügge, und ich hatte doch noch so viel Energie!", erzählt sie. Nachdem sie bereits einige Sommerfreizeiten der SOS-Kinderdörfer begleitete, entschied sie schließlich selbst Kinderdorfmutter zu werden. Im Quereinsteigerprogramm von SOS-Kinderdorf e.V. machte sie zuerst eine berufsbegleitende Ausbildung zur „Heim- und Jugenderzieherin“, bevor sie ihre eigene Kinderdorffamilie gründete. Während der Ausbildung arbeitete sie bereits in einer anderen Kinderdorffamilie mit und konnte so praktische Erfahrungen sammeln.

Alltagsheldin und emotionale Bezugsperson

„Die ersten Jahre waren sportlich, ja“, erzählt sie lachend. Als die leiblichen Geschwister Julia, Mona, Torben und Nils einzogen, waren sie gerade einmal zwischen 2 und 4 Jahren alt. Zwei Jahre später kam der kleine Oskar dazu. Gemeinsam gestaltet die Kinderdorffamilie ihren Alltag. Vom gemeinsamen Mittagessen und Hilfe bei den Hausaufgaben bis zum Spielen, Musizieren und individueller Förderung, Barbaras Aufgaben als Kinderdorfmutter sind vielfältig. Vor allem ist sie jedoch die emotionale Bezugsperson für die Kinder - und vom Windeln wechseln bis zum ersten Liebeskummer dabei. 

Herausforderungen gemeinsam meistern

Alleine ist Barbara dabei jedoch nie: „Zwei pädagogische Fachkräfte und eine Haushaltshilfe gehören auch zu unserer Kinderdorffamilie. Alleine würde ich das auch nicht schaffen, denn die Kinder brauchen zusätzlich zu der Fürsorge und Liebe, die jedes Kind braucht, auch ganz spezielle Unterstützung.“ Auch der Austausch zwischen den SOS-Kinderdorfmüttern und -vätern wird gefördert und hilft bei der Arbeit. 


Gut zu wissen: Hier gibt es die wichtigsten Fragen und Antworten rund um den Beruf Kinderdorfmutter/-vater.


Anfangs war jedes Obst eine Banane

Alle Kinder in Barbaras Dorffamilie wurden in ihrer frühen Kindheit stark vernachlässigt und haben belastende Erfahrungen gemacht. Das beeinträchtigt ihre geistige, motorische und emotionale Entwicklung bis heute.

SOS-Kinderdorf Barbara Wegener

„Anfangs war jedes Obst eine Banane“, erinnert sich Barbara. Während andere Kinder im Vorschulalter beispielsweise Obstsorten oder Tiere recht sicher benennen können und die Jahreszeiten kennen, gibt es bei Barbaras Schützlingen noch etwas mehr zu lernen. „Wenn ein Kind nie ein Bilderbuch besessen hat und fast ohne Spielsachen und elterliche Anregungen aufgewachsen ist, kann und kennt es Dinge, die für andere Kinder im gleichen Alter selbstverständlich sind, unter Umständen nicht.“

Das Gefühl, liebenswert zu sein, ist für die Kinder neu

Als ihre wichtigste Aufgabe empfindet Barbara es, den Kindern zu vermitteln, dass sie gut und liebenswert sind, so wie sie sind. Das kennen die meisten Kinder im SOS-Kinderdorf von Zuhause nicht. „Auch wenn die Kinder zum Beispiel keinen Schulabschluss schaffen oder sprachlich immer Probleme behalten werden. Sie sollen gestärkt und selbstbewusst ins Leben gehen können, wenn sie bei mir ausziehen.“ 

Was mich als Kinderdorfmutter antreibt, hat viel mit familiärer Vertrautheit zu tun.

Barbara Wegener, SOS-Kinderdorfmutter

Vertrauen steht an erster Stelle

Für Barbara hat Familie vor allem mit Vertrautheit zu tun. Diese Vertrautheit entsteht im Kinderdorf durch das langjährige Zusammenleben in einer Kinderdorffamilie. Hier lernen die Kinder das Grundvertrauen in sich selbst und die Welt noch einmal neu. Kinderdorfmütter und -väter spielen dabei eine zentrale Rolle, indem sie für die Kinder emotionale Bezugspersonen sind und ihnen in der Familiengruppe Beständigkeit und Geborgenheit bieten. Dafür begleiten sie in der Regel eine Kindergeneration über 10 bis 15 Jahre hinweg bis zum Erwachsenwerden. Danach können sie sich entscheiden, ob sie eine neue Kindergeneration aufnehmen oder sich beruflich neu orientieren möchten. 

SOS-Kinderdorf Barbara Wegener

Ganz normaler Familienalltag - und doch anders

Barbaras Tag beginnt mit dem morgendlichen Wecken der Kinder und endet mit dem „Gute Nacht" sagen. Wie in einer richtigen Familie eben. Dazu gehört auch, dass Partner*innen oder eigene Kinder von Kinderdorfmüttern oder -vätern Teil einer Kinderdorffamilie sein können. Einen Tag in der Woche hat Barbara frei. Zusätzlich zum regulären Urlaub. „Wenn sie mal nicht bei uns schläft, kommt jemand anders, den wir genauso gut kennen.“, erklärt der siebenjährige Nils. 

Ihr möchtet mehr über den Beruf der Kinderdorfmutter oder des Kinderdorfvaters erfahren? Hier gibt es alle Infos. Auch für Quereinsteiger. 


Weiterlesen:

Wir möchten euch darauf hinweisen, dass ihr bei Besuch und Nutzung der Plattform Disqus, den durch EMOTION.DE gewährleisteten Datenschutz verlasst.