Das Interview wurde geführt von Nicole Ehlert
Lassen Sie uns über Geld reden! Hier kommen Frauen zu Wort, die sich damit auskennen. Das tut Kirsten Albers, und nicht nur das: Als Leiterin "Customer Intelligence" bei der Comdirect Bank weiß sie, wie die Kunden ticken.
EMOTION: Sie sind Mathematikerin – lieben Sie Zahlen?
Kirsten Albers: Ja! Die Wahl meines Studiums geschah aus Liebe zu den Zahlen und zum analytischen Denken – nicht mit einem konkreten Berufsbild vor Augen.
Sie landeten bei einer Bank und Ihr Job ist es, die Kunden zu verstehen, um ihnen passende Anlageprodukte anbieten zu können. Wie tun Sie das?
Wir erheben viele Studien. Zum Beispiel befragen wir unsere Kunden direkt, aber natürlich ist auch statistisches Know-how wichtig. Indem wir beobachten, wie sich unsere Kunden verhalten – etwa welche Produkte oder Services sie häufig kaufen oder nutzen – können wir unser Angebot immer besser auf ihre Bedürfnisse abstimmen.
Sie können sicher etwas über weibliches Anlageverhalten verraten?
Frauen setzen auf risikoärmere Strategien: Die meisten nutzen Tagesgeldkonten und die, die ein Depot haben, bestücken es eher mit Fonds als mit Einzelaktien. Frauen gehen auch vorsichtiger mit Dispokrediten um als Männer. Wertpapierkredite, bei denen man auf Pump spekuliert, nutzen sie fast gar nicht.
Beeinflusst es Ihr eigenes Anlageverhalten, dass Sie sich mit Menschen und deren Umgang mit Geld beschäftigen?
Mein erster Bankjob hat mich stark geprägt. Bis dahin hatte ich nie mit der Börse zu tun. Dann eröffnete ich mein erstes Depot und wollte da auch etwas Spannendes drinhaben. Ein Kollege riet mir zu Aktien eines Werkzeugmaschinenherstellers. Ich wurde zwar nicht reich, lernte aber alles – von Aktiensplit bis Rückkaufangebot. Seitdem las ich in der Zeitung auch den Wirtschaftsteil.
Zu welchem Anlagetyp haben Sie sich entwickelt?
Früher war ich etwas mutiger und habe auch auf risikoreichere Produkte gesetzt. Mittlerweile überlege ich sehr genau, in welche Wertpapiere ich investiere.
Wünschen Sie sich manchmal, mehr Geld zu haben?
Wer wünscht sich das nicht? Ich würde gern eine Weltreise machen. Aus dem Reisen ziehe ich so viel Freude und andere Kulturen kennenzulernen, regt zum Nachdenken über das eigene Leben an.
Waren Sie schon mal richtig knapp bei Kasse?
Als Studentin. Obwohl ich nebenbei gearbeitet habe, waren Reisen kaum drin. Während ich die Diplomarbeit schrieb, hatte ich dazu keine Zeit mehr. Da musste ich oft das Tanken hinauszögern.
Ärgern Sie sich über Preise?
Ja, wenn sie unverhältnismäßig sind. Zum Beispiel habe ich vor Kurzem die Preise für eine Möbelspedition verglichen: bis zu 200 Prozent Unterschied! Ich frage mich, welche Leistung das rechtfertigt.
Wie viel Bargeld haben Sie normalerweise im Portemonnaie?
Etwa 100 Euro. Das finde ich als Grundausstattung beruhigend.
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