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Die bittere Realität der Irrenanstalt

Von Stephanie Hanel

Irrenhäuser - ein Ort, an den die kranken Seelen dieser Welt verbannt werden. Doch anstatt angemessen behandelt zu werden, erfahren die "Kranken" Gewalt und Willkür. Eine bewegende Reportage.


Ausgewählt vom Netzwerk BücherFrauen, diesmal von Journalistin Stephanie Hanel.


Nellie Blys "Zehn Tage im Irrenhaus. Undercover in der Psychiatrie" (AvivA):
Das Buch aus dem AvivA-Verlag ist auf zweierlei Weise spannend: zum einen wegen der Original-Reportage von Nelly Bly, zum anderen durch das informative und engagierte Nachwort des Herausgebers Martin Wagner. Er klärt die Fragen, die sich der Leserin unweigerlich aufdrängen: was treibt eine junge Frau um, sich solch einem Wagnis auszusetzen? Wie sieht die journalistische Front aus, an der da mit so harten Bandagen gekämpft wird, was ist dem Zeitgeist geschuldet, was macht die Persönlichkeit aus und wie ging die Geschichte weiter? Um nicht alle Fragen unbeantwortet zu lassen: Nelly Bly war eine außergewöhnliche Journalistin, die das eigene Wohl hintanstellte, wenn es galt sich für die Armen und Entrechteten einzusetzen, sie war aber auch eine Abenteuerin mit Lust am Risiko.

Das System, das selbst Gesunde krank macht

Doch einen Schritt zurück: Was steht in diesem Bericht aus der Anstalt? Schrecklicherweise genau das, was ich befürchtet hatte: da wird von Willkür und körperlicher Gewalt gegen Wehrlose berichtet und von einem hilflosen gesellschaftlichen System, das mit mittellosen und kranken Frauen nichts anzufangen weiß. Vor allem aber auch von vielen Frauen, die nicht (geistes-)krank waren bis sie dahin kamen, wo man nach Blys Erkenntnis gar nicht anders konnte als krank zu werden. Bly schildert die Mechanismen, die aus ihnen physisch und psychisch gebrochene Menschen werden ließen.

Erfolg dank beeindruckender Reportagen

Ihre Reportage aus der Irrenanstalt brachte Nelly Bly eine Festanstellung bei der renommierten "New York World" und der Anstalt eine Untersuchungs-Kommission. Die Liste der weiteren erfolgreichen Reportagen aus ihrer Feder ist lang und beeindruckend. Es war mehr als an der Zeit, Nellie Bly auch im deutschsprachigen Raum zu entdecken. Schon ihr journalistisches Werk ist bemerkenswert, ihr Lebenslauf aber bietet endgültig reichen Filmstoff. Und ich bin mir sicher, dass dieses Buch nicht das letzte Wort in Sachen "Nellie Bly" ist!


Dieses Buch können Sie hier bestellen:
Zehn Tage im Irrenhaus: Undercover in der Psychiatrie



Stephanie Hanel, 44, ist Journalistin. Im Netzwerk der BücherFrauen war sie als Content-Koordinatorin zuletzt verantwortlich für den Relaunch der Website. Zudem ist sie freie Redakteurin des Internetportals AcademiaNet.



Diese Buch-Tipps entstanden in Kooperation mit den BücherFrauen. Mehr über die "Women in Publishing"









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