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Kommt doch rein!

Produktion und Text von Inken Herzig, Fotos von Sabrina Rothe

Hell, frisch und leicht - Maria Giesekes Wohnung strahlt die Weite ihrer Heimat Dänemark aus. Ein Ort zum Wohlfühlen, nicht zuletzt, weil die Dänin eine perfekte Gastgeberin ist.

"Wir Dänen haben einen leichten Sinn – aber wir sind nicht leichtsinnig", sagt Maria Gieseke und fährt lachend fort: "Dazu passt die fröhliche Mentalität des Rheinländers." Die blonde Frau aus Odense ist mit einem Rheinländer ver­heiratet und lebt in der Modestadt Düsseldorf. In ihrem Viertel, Unterbilk, erinnert wenig an die von Luxus ge­prägte City. In den Hinterhöfen verste­cken sich kleine Manufakturen, in den Ladengeschäften der Altbauten verkau­fen junge Designer ihre Entwürfe. Und dazwischen gibt es hübsche Cafés, de­ren hausgemachte Törtchen viel zu schön sind, um sie zu verzehren.

Eine inspirierende Umgebung für Maria Gieseke. Denn Schönheit spielt in ihrem Leben eine wichtige Rolle. Lange Zeit war sie sogar ihr Beruf. Zu­ erst arbeitete sie als Model, später baute sie eine Modelagentur auf. Vor drei Jahren zog sich die Dänin aus dem Ge­ schäft zurück, um mehr Zeit für ihren Sohn Lauritz zu haben, der heute zehn Jahre alt ist. Die Schönheit kommt in ihrem Leben trotzdem nicht zu kurz.

Wer bei Maria Gieseke nur mal eben auf einen Kaffee vorbeikommt, erlebt ihren Sinn für Ästhetik auf besonders einladende Art und Weise: Der große Holztisch im Wohnzimmer ist dann mit frischen Blumen, edlem Porzellan und Leinenservietten gedeckt. Zum Naschen gibt es bunte Macarons, kleine Kuchen und Zimtschnecken, wie man sie in Dänemark liebt. Daneben steht keine Mineralwasserflasche, sondern ein Glaskrug, in dem eine Handvoll sü­ßer Himbeeren schwimmen.

Zum Nachwohnen



Auf Seite 2 geht es weiter mit der Wohnung von Maria Gieseke ...

Großzügig und lichtdurchflutet

Maria Gieseke liebt es, Familie und Freunde in ihrer Altbauwohnung zu verwöhnen – ein lichtdurchflutetes Do­mizil, das sich in zwei Etagen aufteilt. Hier hat das ehemalige Model die nor­dische Weite zwischen hohen Decken und Parkettböden eingefangen. Die Großzügigkeit der Räume des einstigen Weinzollamtes, das 1892 in Düsseldorf gebaut wurde, wird durch die sparsame Möblierung unterstrichen. Marias Lieblingsstücke haben meistens eine persönliche Geschichte. Über dem Ess­tisch hängt ein großes Ölbild eines Schulfreunds ihres Mannes. Rechts und links der Fenster stehen kleine Barock­sessel aus ihrem eigenen Familienerbe, die sie neu beziehen ließ. Das alte Zi­garrenschränkchen ihres Großvaters ziert die Diele und wurde von Maria neu gestrichen. "Das war in meiner Weiß-­Phase", bekennt sie lachend. Heute würde sie wohl eine andere Far­be wählen, dabei harmoniert die Kom­mode mit dem weißen Geländer der Treppe, die vom Flur aus ins zweite Geschoss führt.

Der Designer aus der Nachbarschaft


In der ganzen Wohnung herrscht ein heller, offener Stil. Jedoch ganz ohne die Romantik eines Carl Larsson. Wenige Kunstwerke haben unser Bild von skandinavischer Gemütlich­keit so geprägt wie seine Gemälde vol­ler Kinderlachen, Obstbäume und Wiesensträuße. Aber Blümchenmuster finden sich bei Maria höchstens auf einer Chaiselongue vor dem Winter­garten oder auf einem dänischen Kis­sen mit Vogelmotiven.

Ansonsten liebt die Hausherrin die klaren Töne des Nordens und findet in ihrem Stadtviertel jede Menge An­regungen. Gleich in der Nachbar­schaft, in der Lorettostraße, stieß sie auf das Geschäft von Uwe van Affer­den. Ein Düsseldorfer Designer, der nicht nur Möbel, sondern auch Kleider und Taschen herstellt. Die Dänin war von seinem geradlinigen Stil begeistert und entschied sich für eine Schubladen­anrichte, die an alte Apothekenschränke erinnert. Bevor sie gefertigt wurde, erhielt Maria ein zartes Aquarell des Designers – eine Skizze, die heute auf dem Original in einem feinen Rahmen steht. Passend dazu baute Uwe van Afferden ein Sofa, dessen Bezüge aus dem groben Leinen alter Mehlsäcke genäht sind.


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Engagement ist selbstverständlich

Auch dem kleinen Lauritz gefallen die Möbel. So sehr sogar, dass er selbst auf Ideensuche geht. Wenn er mit sei­nen Eltern in Urlaub fährt, hat er im­mer seine Kamera dabei, um interes­sante Fundstücke zu fotografieren. Wieder zu Hause präsentiert er die Bil­der stolz im Atelier des Designers.

Dänische Kultur wird im Hause Gieseke großgeschrieben. Nicht nur was Stil und Kulinarik angeht – Maria ist bei allen Freunden berühmt für ihre Frikadellen mit Kartoffelpüree – son­dern vor allem in Sachen Haltung: Spricht man die Hausherrin zum Bei­ spiel auf ihr soziales Engagement an, darauf, dass sie Kinderhilfswerke und die Deutsche Knochenmarkspenderda­tei unterstützt, macht sie keine großen Worte. "Wir Dänen werden so erzogen, wir behandeln alle gleich – egal, welchen Stand sie haben." Diese Eigenschaft wird bei ihr zu Hause "Janteloven" (Das Gesetz von Jante) genannt. Der Autor Aksel Sandemose schilderte es Anfang des Jahrhunderts in einem seiner Bü­cher anhand der fiktiven Kleinstadt Jante. Und es lautet noch heute: "Glaube nicht, dass du etwas Besonderes bist, glaube nicht, dass du besser bist als wir."

Meckerfreie Zone


In diesem Geist wächst auch Lau­ritz auf. Nie würde der kleine Junge mit den exotischen Reisen seiner Familie angeben. Und eines seiner Lieblingsrei­seziele liegt sowieso nicht in allzu wei­ter Ferne: die dänische Insel Fünen, auf der seine Großmama lebt. Maria und ihre Mutter haben ein inniges Verhält­nis, überhaupt läuft bei Giesekes alles sehr harmonisch ab: "Wir Dänen haben einen leichten Sinn", wiederholt Maria die Worte, die sie schon zu Beginn ge­sagt hat. "Und wir meckern nicht so oft." Das findet auch ihr Mann. Erst vor Kurzem hat er seiner Frau erklärt: "Maria, es ist schön zu Hause – wir be­sitzen eine meckerfreie Zone."


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