Fotos von Love-Tina Adu
Innerhalb von 30 Sekunden eröffnete sich unserer stellvertretenden Chefredakteurin Julia Möhn die Cabrio-Welt - so lange braucht es, bis sich das Hardtop des freundlichen Stadtflitzers zusammenfaltet.
Es ist eine Liebe, die warten muss. Ich bin noch nie Cabrio gefahren, obwohl man Hamburgern nachsagt, bei jeder Temperatur über 8 Grad die Dächer von ihren Autos zu klappen. Aber in meinen Autos, geliehenen, gekauften, geleasten, war ein Panoramafenster bisher das höchste der Gefühle, sonst blieb der Himmel stets verdeckt und versteckt. Jetzt ist er es auch – der Hamburger Sommer fällt so feucht aus, dass Cabrio-Fahren zu einer akrobatischen Übung für Fahrer und Fahrzeug würde – Dach rauf, Dach runter im Halbminutenabstand.
So schaue ich ein bisschen sehnsüchtig auf den weißen Flitzer mit dem versenkbaren Blechdach auf dem Parkplatz und bilde mir ein, er schaue auch schon leicht trübsinnig durch Hamburger Regenwände. Dabei hat der Peugeot 207 CC wie fast alle Autos der Marke eine Frontpartie, die immer zu lächeln scheint. Seine tut dies sogar besonders hübsch – dafür sorgt ein überarbeitetes Design, das im Heck auch noch attraktive LED-Leuchten untergebracht hat.
Nach drei Tagen Wassershow werde ich trotzig – dann lernen wir uns halt erst Mal mit geschlossenem Dach kennen. Beim Einsteigen stoße ich mir prompt den Kopf am Dach. Der Tester vor mir schätzte es offenbar, Dachfühlung aufzunehmen. Ich pumpe den Sitz niedriger – die Höhenverstellbarkeit hat der Beifahrersitz genauso im Angebot – und blicke mich um: Sportliche Eleganz dominiert die Ausstattung, der Schaltknüppel scheint einem Rallye-Film abgeschaut zu sein, in dem Steve McQueen entschlossen den nächsten Gang einlegt, um davon zu brausen.
Ich brause nicht, sondern lege eher zaghaft den Gang ein und tippe das Gas an. Und habe keinen Steve McQueen-Moment. Ein paar Tage und ein einige Fahrkilometer später weiß ich: In den unteren Gängen braucht der Peugeot etwas mehr Entschlossenheit des Fahrers, dafür ist er ab dem vierten Gang ein Traum. Genauso gefällt mir der großzügige Kofferraum, in dem mein Konzept, alles ohne größeren Plan irgendwo reinzuschmeißen, gut aufgeht – 370 Liter Volumen verzeihen viel. Die Rückbank dagegen gibt mir ein Rätsel auf – nämlich, mit welcher Beinlänge man wohl auf sie passen könnte.
Dann ist er da – der trockene Abend mit einer Temperatur, die der Hamburger als Sommer anerkennt. Ein magischer Abend. Ich schmeiße die Sporttasche auf den Rücksitz und drücke auf den Knopf, der die Cabrio-Welt öffnet. Und das geht wirklich erstaunlich schnell: In unter 30 Sekunden faltet sich das Dach sehr geräuscharm auf und wird im Kofferraum verborgen. (Dessen Volumen schrumpft dann natürlich. Aber das ist wie mit vielen Dingen im Leben: hat alles seinen Preis, auch das Cabrio-Fahren). Mein Lieblingsradio-Sender 91,7 xfm spielt eines meiner Lieblingslieder und ich bin verzückt: vom Himmel über Hamburg, von dem kaum zu spürenden Fahrtwind und dem Dahingleiten durch den Sommernachtstraum. Tatsächlich schluckt das Auto die Geräusche des Windes fast komplett – selbst, als wir einen Ausflug auf die Autobahn wagen.
Der Peugeot 207 CC ist zur Zeit das bestverkaufte Cabrio in Deutschland. Und ich verstehe die Käufer: Der Wagen ist in der Falttechnik eine Klasse für sich und versöhnt die Ansprüche eines schnellen Stadtwagens und eines fröhlichen Spaßautos. Allein: In der Kategorie Wagen mit geschlossenem Dach gefallen mir auch andere und ich bin skeptisch, ob meine Heimatstadt wirklich ein Cabrio-Stadt ist. Der Peugeot 207 CC und ich hatten wohl doch nur einen Sommer(abend) zusammen.
Durchschnittsverbrauch: 4,9 l, CO2-Ausstoß: 127 g/km, PS: 112, Beschleunigung (0 auf 100 km/h): 11,6 s, Höchstgeschwindigkeit: 197 km/h, Basispreis: 26.650 Euro. Mehr Infos auf www.peugeot.de
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