Von Nicole Ehlert
Jeden Monat stellen wir eine spannende Frau vor, die Sie bei der Weiterentwicklung im Job unterstützen wird. Dieses Mal: Marie-Agnes Strack-Zimmermann, erste Bürgermeisterin von Düsseldorf.
Die Leute jubelten – und Marie-Agnes Strack-Zimmermann verstand die Welt nicht mehr. "Mein Mann und ich kamen von den Seychellen und stiegen am Flughafen in einen Zug, in dem eine unglaubliche Stimmung herrschte", erinnert sie sich.
Es war der 10. November 1989. Doch vom Mauerfall, der auch das Leben der damals 31-Jährigen verändern sollte, hatten die beiden im fernen Indischen Ozean nichts mitbekommen. "Ich war sehr von der Teilung Deutschlands geprägt", erzählt die Düsseldorferin: "Wenn wir meine Großeltern in Westberlin besuchten, schauten wir über die Mauer und fanden es schrecklich!" Für Politik hatte sich Marie-Agnes Strack-Zimmermann immer interessiert – aber auch nicht mehr. 20 Jahre lang arbeitete sie für einen Nürnberger Buchverlag. Doch jetzt war sie "ergriffen von der Chance eines freien Deutschlands und Europas", wollte "das alles politisch begreifen".
1990 tritt sie in die FDP ein: "Weil es die Partei mit dem größten Freiheitsgedanken ist." Das derzeit miese Image lässt sie kalt. "Ich bin ja aus Überzeugung Mitglied geworden, nicht weil die Partei gerade modern war." Diesen Rat gibt sie auch Nachwuchspolitikern. Sie empfiehlt außerdem, sich berufliche Unabhängigkeit zu bewahren. Genau das tut sie selbst lange. 1999 wird die dreifache Mutter in die Düsseldorfer Bezirksvertretung und 2004 in den Stadtrat gewählt. Trotzdem behält sie ihren Verlagsjob. Als 2008 der Oberbürgermeister stirbt, rückt sein Stellvertreter nach. In seine Position wählt der Rat der Stadt Düsseldorf die damalige FDP-Fraktionsvorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann. "Es war die Chance meines Lebens, so eine Auf gabe zu bekommen", sagt sie. Finanzielle Gründe gab es nicht. "Erste Bürgermeisterin" ist ein Ehrenamt, "das Salär sehr überschaubar", sagt die 53-Jährige.
Dennoch gibt sie nach ihrer Wiederwahl 2009 den Verlagsjob auf. "Die Entscheidungen für eine Boomstadt wie Düsseldorf sind zu komplex für Feierabendpolitik", erklärt sie. Wirtschaft, Finanzen und Stadtplanung sind ihre Schwerpunkte. So weit entfernt vom früheren Beruf sieht sie ihr Amt gar nicht: "Anstelle von Büchern verkaufe ich jetzt eine Stadt!" Und was die Machtkämpfe betrifft, die zur Politik gehören: "Ich habe zwei ältere Brüder und früh gelernt, mich zur Wehr zu setzen", sagt die Motorradfahrerin. Immerhin muss sie nicht gegen Schuldenberge ankämpfen – Düsseldorf ist schuldenfrei, kann investieren. Zum Beispiel in den "Kö-Bogen", ein Bau-Großprojekt. "Dort werde ich einmal mit meinem Gehwagen auf der Bank sitzen und denken: Ich war dabei!", sagt sie stolz.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann wurde 1958 als Tochter zweier CDU-Mitglieder in Düsseldorf geboren. Sie studierte in München Politologie und Publizistik, arbeitete dann 20 Jahre lang freiberuflich als Handelsvertreterin für den Tessloff Verlag. Seit 1990 ist sie Mitglied der FDP, stieg als Düsseldorfer Ratsfrau 2005 zur Fraktionsvorsitzenden auf und wurde 2008 zur Ersten Bürgermeisterin nach dem OB gewählt. Strack-Zimmermann ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.
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