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Auf nichts und niemanden Verlass

Von Christine Gräbe

Eine Kindheit ohne jede Hoffnung, eine Welt, in der auf nichts Verlass ist. Nichts wird hier geschönt, alles benannt. Das berührende Hörbuch wird einfühlsam gelesen von Julia Nachtmann.

Ausgewählt vom Netzwerk BücherFrauen, diesmal von Lektorin und Herausgeberin Christine Gräbe.

"Scheiße fliegt durch die Luft", lautet der erste Satz. Doch vom Himmel fällt sie nicht, vielmehr leeren ein zwölfjähriges Mädchen und ihr sechsjähriger Bruder, die von der Mutter tagelang in eine Wohnung ohne Toilette gesperrt wurden, ihren übervollen Notdurfteimer aus dem Fenster.
In ihrer Welt ist auf niemanden Verlass.

Besonders nicht auf die Mutter, die trinkt, ihre Wut auf die Welt an den Kindern auslässt und grausame Spiele mit ihnen spielt. Wenn es den Bruder erwischt, tut er der Schwester leid. Die Erleichterung darüber, dass es diesmal nicht sie getroffen hat, ist nur eines von vielen widersprüchlichen Gefühlen. Und manchmal, wenn die Mutter nicht da ist, kommt es sogar vor, dass sie es übernimmt, dem Bruder Schmerzen zuzufügen.

Ein quälendes Gefühl von Verlorenheit

Trotz allem überlebt in ihr, dem klapperdürren "Rippchen" der Lebenswille. Sie verstummt nicht, sondern reagiert störrisch, rebelliert, gegen die lieblose Mutter, die verständnislosen Lehrer, den autoritären Staat, in dem sie lebt. Hört nicht auf, die "falschen", verbotenen Fragen zu stellen. Wird eine Meisterin in der Kunst des Ladendiebstahls und kommt ins Heim. Stößt auf Menschen und auf Bücher, die das quälende Gefühl von Verlorenheit lindern.

Ungehörter Hilfeschrei

Und doch bleibt das lautstarke Aufbegehren der Heranwachsenden ein ungehörter Hilfeschrei – niemand scheint sich gegen die Grausamkeiten zu wehren, die sie selbst ausübt, und nicht einmal dem Glück ist über den Weg zu trauen...Angelika Klüssendorf ist eine Meisterin des stillen, kraftvollen Erzählens. Sie kann vom Alltäglichen erzählen, ohne dass es je banal wird, und sie kann dramatische Ereignisse so schildern, dass sie zu banalen Begebenheiten schrumpfen. Ihr neuer Roman ist rigoros und erschüttert in seiner drastischen Direktheit. Nichts wird hier geschönt, alles benannt. Der Roman erscheint parallel zum Buch als Hörbuch, gelesen von Julia Nachtmann, die seit 2007 zum Ensemble des Hamburger Schauspielhauses gehört: Sie leiht dem berührenden Text und seiner Drastik eine sensible Stimme. Hörenswert!

Dieses Hörbuch können Sie hier bestellen:
Das Mädchen: Ungekürzte Lesung


Christine Gräbe ist Herausgeberin der edition fünf, arbeitet als freie Lektorin und Werbetexterin für Buchverlage und übersetzt Literatur aus dem Italienischen ins Deutsche. Sie ist zudem im Netzwerk BücherFrauen aktiv. Hier geht's zu Christine Gräbes Website



Diese Buch-Tipps entstanden in Kooperation mit den BücherFrauen. Mehr über die "Women in Publishing"









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