"Lieber einmal unromantisch als später arm"

interview Andreas Möller

Svea Kuschel die erste unabhängige Finanzberatung für Frauen. (Foto: Privat)

Vor 25 Jahren gründete Svea Kuschel die erste unabhängige Finanzberatung für Frauen. Ihre Mission ist dieselbe geblieben: Frauen für das Thema Geld zu interessieren.

EMOTION: Was ist Ihr wichtigster Tipp für Frauen in Sachen Finanzen?
Svea Kuschel: Sorgen Sie für sich selbst und schieben Sie es nicht immer wieder auf. Abwarten kann teuer werden.

Ist Finanzberatung für Frauen noch zeitgemäß?
Private Vorsorge gehört leider nach wie vor nicht zu ihren Lieblingsthemen. Dabei brauchen Frauen eine individuellere Beratung, weil sie viel mehr Brüche im Leben haben. Und bei der Beratung – bitte kein Fachchinesisch. Frauen wollen verstehen, worum es im Einzelnen geht.

Warum besteht so ein großer Nachholbedarf?
Es hat sich zwar eine Menge getan. Aber man darf nicht vergessen: Bis 1958 durften Frauen nicht mal ein eigenes Konto ohne die Zustimmung des Ehemannes eröffnen. Und mit der Heirat ging das Vermögen auf den Mann über.

Welche Fragen stellen Frauen am häufigsten?
Wie sicher ist die Anlage? Und: Kann ich jederzeit an mein Geld? Männer begeistern sich mehr für Rendite und Tortendiagramme.

Wer kümmert sich bei Ihnen zu Hause ums Geld?
Ich. Meinen Mann interessiert das nicht. Jeder besitzt ein eigenes Konto und es gibt eine gemeinsame Haushaltskasse. Ich habe aus meiner ersten Ehe gelernt. Mein Mann kümmerte sich um alles – und als es auseinanderging, hatte ich nichts. Ich rate auch unbedingt zum Ehevertrag.

Ist es nicht unromantisch, vor dem Jawort über Geld zu sprechen?
Lieber einmal unromantisch als später arm.

Wofür geben Sie immer zu viel aus?
Zu viel? Selten. Aber immer gern für Reisen, Bücher, Essen. Ich achte auf Qualität. Ach ja, meine
Leidenschaft sind Blazer. Mein halber Kleiderschrank ist voll davon.

Wie viel Geld haben Sie dabei, wenn Sie aus dem Haus gehen?
Meist um die 100 Euro und meine Kreditkarte.

Ihre größte Fehlinvestition?
Sehr, sehr teure Stiefel, in denen mir die Füße schon im Laden wehtaten. Zwei Jahre standen sie noch bei mir im Regal herum, dann habe ich sie verschenkt.

Gibt es etwas, was Frauen besser können als Männer in Bezug auf Finanzen?
Sie können das Gleiche – wenn sie wollen.

Und welche Fehler machen sie?
Dass sie so zögerlich sind. Sie informieren sich intensiv, wägen ab – und können sich dann
nicht entscheiden.

Sie bekommen 10 000 Euro geschenkt. Was tun Sie?
Da ich sehr gut für mein jetziges Leben vorgesorgt habe, käme das Geld auf mein Spaßkonto. Ich habe mir irgendwann mal so ein Extrakonto eingerichtet. Für größere Gelüste. So kann man sich spontan mal mit einem Wochenende Rom oder einem Aufenthalt im Superhotel belohnen.

Svea Kuschel, 68, gründete 1986 das erste Finanzdienstleistungszentrum für Frauen. Sie schrieb Fachbücher, ist Mentorin bei der Frauenakademie München, kämpfte für Unisex Tarife bei der Riesterrente in einer Arbeitsgruppe des Bundestages und erhielt 1999 die Bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste. Kuschel lebt in München. www.frauenfinanzkonzepte.de


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