"Es müssen ja nicht immer Schuhe sein"

Von Svea Kuschel

(Foto: clipart.com)

2. Folge der Serie "Ich und mein Geld": Warum nicht in Wertpapiere investieren – und sich clever ein kleines Vermögen aufbauen? Ein Interview mit Dr. Christine Bortenlänger, Chefin der Münchner Börse.

EMOTION: Wie und ab welchem Betrag kann ich als Privatanlegerin über die Börse Wertpapiere ordern?
Christine Bortenlänger: Die Frage ist weniger, ab welchem Betrag man an der Börse handeln kann, als vielmehr, ab welchem Vermögen es sinnvoll ist. Es gibt keine rechtliche Untergrenze. Im Prinzip kann man schon mit dem Kauf einer einzelnen Aktie "einsteigen" – nur rechnet sich das nicht vor dem Hintergrund der Minimum-Gebühren, die die Bank für die Order verlangt. Für den Handel braucht man immer eine Bank. Sie garantiert, dass der Ordergeber das nötige Geld (beim Kauf) oder die entsprechenden Stücke (beim Verkauf) besitzt.

Warum überhaupt Aktien erwerben?
Der Charme liegt darin, dass man sich gezielt für Unternehmen entscheiden kann, von denen man überzeugt ist. Als Eigenkapitalgeberin wird man zur Mitunternehmerin und erhält jährlich Dividende – das ist der Anteil am Gewinn des Unternehmens. Die Dividendenrenditen waren in den vergangenen Jahren im Durchschnitt deutlich höher als die Zinsen, die es auf Rententitel gab.

Sollten Frauen sich mehr mit dem Thema Geldanlagen auseinandersetzen?
Es besteht grundsätzlich ein großes Informationsdefizit. Frauen haben im Schnitt weniger Vermögen zur Verfügung. Weil sie meist weniger verdienen, oft eine Erwerbsbiografie mit Unterbrechungen haben und viel in Teilzeit arbeiten. Sie müssen noch besser planen, wie sie ihr Geld anlegen, gerade bei der Altersvorsorge. Im Durchschnitt werden Frauen älter als Männer und überleben oft ihren Partner. Kompetenz in Geldfragen ist wichtig für sie.

Gelten alte Weisheiten noch wie "Kaufen und liegen lassen" oder "100 minus Alter = Aktienanteil"?
Informationen verbreiten sich wie ein Lauffeuer und führen rasch zu internationalen Reaktionen an den Märkten. Es ist notwendig, die eigenen Aktien und die Unternehmen permanent zu beobachten. Da bietet es sich etwa an, Stop Loss-Kurse zu setzen, das heißt: Ab einer selbst definierten Kursunterschreitung werden die Papiere automatisch veräußert, um höhere Verluste zu vermeiden. Nach wie vor gilt: "Hin und Her macht Taschen leer": Zu hektisches Agieren kostet nur Gebühren und bringt meist wenig. Entscheidend ist auch die jeweilige Lebenssituation.

Inwiefern?
Steckt man noch im Erwerbsleben und kann Verluste leichter ausgleichen oder ist man auf eine feste Rente angewiesen? Starre Regeln helfen also nicht wirklich weiter.

Was raten Sie, um Vermögen auf zubauen?
Jeder Anleger sollte sich vor Augen halten, dass eine höhere Renditechance immer mit einem höheren Risiko verbunden ist. Ich empfehle Produkte, hinter denen tatsächliche, reelle Werte stehen, also zum Beispiel Aktien und Fonds. Riskanter sind alle derivativen Finanzprodukte wie Optionsscheine, die je nach Börsenverlauf auch völlig wertlos werden können.

Worauf muss grundsätzlich beim Kauf von Wertpapieren geachtet werden?
Nie alle Eier in einen Korb legen, das heißt: möglichst breit streuen. Das richtet sich sicher auch nach der Höhe des Vermögens, aber trotzdem: Aktien nicht von einem Unternehmen, sondern von verschiedenen, nicht aus einer Branche, sondern aus ganz unterschiedlichen usw. Außerdem auch in Renten, Fonds und vielleicht Immobilien investieren.

Und: Vorsicht bei hohen Renditeversprechen?
Genau. Nie den gesunden Menschenverstand ausschalten. Wenn jemand risikolose Superrenditen anbietet, sollte man misstrauisch sein. Und wenn Sie ein Produkt nicht verstehen – lassen Sie die Hände davon!

(Foto: Bayerische Börse)

Dr. Christine Bortenlänger, 44, seit 2000 Vorstand der Bayerischen Börse. Verheiratet, ein Sohn. Privat? Bergsteigen, moderne Kunst.








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