Von Susanne Pahler
An der Basilika Sacré-Coeur im Künstlerviertel Montmartre liegt einem Paris zu Füßen (Foto: Susanne Pahler)
"Ganz Paris träumt von der Liebe, denn dort ist sie ja zu Haus", singt Caterina Valente. Findet unsere Autorin auch, denn ihr neuer Freund hat hier ein kleines Apartment. Ihre Tipps für Tête-à-Têtes.
"Die meisten, die mich besuchen, wollen zu Sacré-Coeur. Ich klinke mich da fast immer aus", sagt Ivan. "Aber mit dir ist das natürlich etwas anderes und außerdem ist der Sonnenuntergang von dort oben wirklich toll." Ich kann es immer noch kaum fassen, dass ich in Paris bin. Und zwar nicht in irgendeinem überteuerten Hotelzimmer, sondern ganz privat. Ohne Stadtplan in der Tasche, stattdessen Hand in Hand mit meinem ganz persönlichen Stadtführer.
Schon als wir uns an einem Sommerabend in München kennenlernten, erzählte mir Ivan von seinen Jahren als Fotograf in Paris. Inzwischen lebt er wieder in Deutschland. Aber seine kleine Wohnung nahe der Bastille aufgeben? Kommt nicht infrage! Ein paar verliebte Wochen später sagte er: "Das nächste Mal nehme ich dich mit!"
Ich malte mir natürlich eine kuschelige Dachwohnung mit Blick auf den Eiffelturm aus – wie in all den romantischen französischen Filmen. Das Paris-Klischee eben. Tatsächlich aber liegt Ivans charmante Zwei-Zimmer-Wohnung etwas abseits der Touristen-Hotspots. Und auf den zweiten Blick finde ich gerade das reizvoll. Denn all diese Postkartenmotive können eine echte Falle sein, wenn man eine Stadt für sich entdecken möchte. Sie verstellen den Blick auf die ehrlichere Schönheit, die jenseits von Champs-Elysées, Notre-Dame und, ach ja, Sacré-Coeur liegt.
Trotzdem: Der Ausflug ins Herz von Montmartre muss sein, als Zugeständnis an den Mythos von der "Stadt der Liebe". Ivan und ich steigen die Treppe ins ehemalige Künstlerviertel hinauf, kommen an einer alten Mühle vorbei, quetschen uns durch einen überfüllten Platz voller Restaurants und landen schließlich auf der Treppe vor der berühmten Basilika. Dächer und Fassaden der Stadt leuchten rosa. Ivan hat recht: Der Blick ist ein Traum.
Am nächsten Tag zeigt mir Ivan dann sein Paris. Zuerst den Flohmarkt an der Porte de Clignancourt, den er ganz besonders liebt. "Vorne gibt es vor allem Klamotten", erklärt er. "Dahinter fängt der richtige Markt an." Das Areal ist riesig und beherbergt ganze Antikhallen. Wir schauen in einen Laden mit Secondhand-Stiefeln und stöbern in einem Stapel Chanson-Platten. Keinen Hinterhof lassen wir aus. Plötzlich stehen wir zwischen alten Bronzestatuen. Ein Nilpferd scheint zwei ehrwürdigen Herrschaften ins Ohr zu blöken, ein Storch bewacht ein altes Eisenbett.
Nach einem ausgiebigen Mittagessen in einem netten Bistro auf dem Markt (wir bestellen einen Rosé zur plat du jour – es ist Urlaub, da ist Alkohol auch mittags erlaubt!) geht es weiter ins Jeu de Paume, das Museum für zeitgenössische Fotografie und Videokunst. Fast ein Pflichttermin für Ivan: "Manchmal werden hier auch Künstler gezeigt, von denen ich noch nie gehört habe. Aber wetten, dass ich danach ständig über ihre Namen stolpere!" Schon allein der Museumsbau am Ende der Tuilerien lohnt den Besuch. Im 19. Jahrhundert befanden sich dort Spielfelder für das "Jeu de Paume" (auf Deutsch: das Spiel mit den Handflächen), eine frühe Form des Tennis. Heute finden in den Räumen Ausstellungen statt. Am meisten begeistern wir uns für die Kurzfilme des südafrikanischen Künstlers William Kentridge. Fantastisch, wie er seine Schwarz-Weiß-Zeichnungen und Scherenschnitte zum Leben erweckt!
Danach bummeln wir in der Sonne durch die Tuilerien. In der Nähe des Louvre entdecken wir ein Bassin, auf dem kleine Segelboote schwimmen. Ein etwas griesgrämiger Mann verleiht sie von einem Rollwagen aus, quietschende Kinder und ihre meist genauso enthusiastischen Eltern schubsen die Schiffe mit einem langen Stock auf dem Wasser hin und her. Ein Szene, wie aus der Zeit gefallen. Ivan nimmt mich in den Arm: "Jetzt zeige ich dir meinen Lieblingsstadtteil." Das kleine Künstlerviertel Butte aux Cailles liegt im 13. Arrondissement. "Da bin ich nach meiner Ankunft vor zehn Jahren bei einem Kumpel untergeschlüpft", erzählt Ivan auf dem Weg zur Metro.
Warum er auch heute noch gern dort ausgeht: Trotz der malerischen Gässchen und eng aneinandergereihten Häuser verirrt sich kaum ein Tourist hierher. Und natürlich wegen "Chez Gladine", dem baskischen Lokal mit den rot-weiß karierten Decken auf den Mini-Tischen. Ideal für Verliebte: Man kann gar nicht anders, als sich nah zu kommen.
In den folgenden Tagen erfahre ich noch so einiges über die Stadt der Liebe. Dass man zum Beispiel gnadenlos abgezockt wird, wenn man aussieht wie Touristen in den Flitterwochen: "Dann kostet der Espresso an der Bar eben fünf statt zwei Euro." Mit Ivans perfektem Französisch kann uns das nicht passieren – obwohl ich mich genau wie in den Flitterwochen fühle. Er erklärt mir auch, dass eigentlich nur Touristen einen Café au lait bestellen, weil der in Wahrheit Grand Crème heißt.
Am letzten Abend schauen wir den Schiffen hinterher, die an der Ile Saint-Louis vorbeiziehen, und zählen die Orte auf der ganzen Welt auf, die wir dem anderen unbedingt noch zeigen wollen. Das ist ebenfalls gegen alle Paris-Klischees: dass man in dieser Stadt im Fernweh schwelgen kann. Ich muss nicht mal Souvenirs kaufen – das schönste nehme ich ja wieder mit!
Hôtel Amour
Sinnlich, nostalgisch, kultig: Das Hotel mit dem gut besuchten Restaurant liegt mitten im Vergnügungsviertel Pigalle. Jedes Zimmer ist anders, aber immer exzentrisch – und kann auch halbtags gemietet werden. Die Unterkunft ist ein ehemaliges Stundenhotel. Besonders romantisch: der winzige Innenhof mit Brunnen. DZ ab 155 Euro. 8 Rue de Navarin, www.hotelamourparis.fr.
Hôtel du Petit Moulin
Im Interieur von Christian Lacroix fühlt man sich wie in einem privaten, plüschigen Theater! Bezaubernde Wandmalereien und bunte Sofas sind mit modernen Designerleuchten gemixt. DZ ab 190 Euro. 29 Rue de Poitou, www.hotelpetitmoulinparis.com.
Hôtel le Petit Paris
Zeitreise: Jedes Zimmer des kleinen Boutique-Hotels in der Nähe des Jardin du Luxembourg ist einer Epoche gewidmet – vom Mittelalter bis in die schrillen Siebziger. DZ ab 192 Euro. 214 Rue Saint Jacques, www.hotelpetitparis.com.
Chez Papa
Eigentlich ist Chez Papa eine kleine Restaurant-Kette, doch davon merkt man in den jeweiligen Lokalen zum Glück nichts. Viel zu individuell und detailverliebt ist die Einrichtung. Auf den kleinen Tischen dampfen baskische Gerichte. Die nettesten Filialen liegen im 12. und 10. Arrondissement.
40 Bvd de la Bastille / 206 Rue la Fayette, www.chezpapa.com.
Pause Café
Frühstück, plat du jour, Kaffee, Cocktails: Gäbe es in Paris nicht so viel zu erleben, könnte man den ganzen Tag auf der großzügigen Terrasse dieses Cafés verbringen. 41 Rue de Charonne, Tel. +33/1/48068033.
La Caravane
Der Aperitif, mit dem man in Paris in den Abend startet, ist heilig! Ein Lieblingsort dafür: die freundliche Café-Bar "La Caravane" mit ihrem charmanten Flohmarkt-Schnickschnack-Interieur. Serviert werden franko-asiatische Köstlichkeiten. Wer den Sonntag gern mit einem ausgedehnten Brunch beginnt, ist hier ebenfalls goldrichtig. 35 Rue de la Fontaine au Roi, www.lacaravane.eu.
Pop In
Den Tag zur Nacht machen! In dieser Indie-Bar, die schon seit Jahren zu den angesagtesten Clubs gehört, pas de problème! Das runtergerockte Ambiente läuft unter Shabby Chic. Montags bis donnerstags spielen Bands, sonntags ist Open-Mic-Night. Am besten ein pichet (Krug) Bier kaufen und teilen. 105 Rue Amelot, www.popin.fr.
Macarons von Ladurée
Sich beim Blick auf den Eiffelturm mit macarons füttern, klingt zwar kitschig, macht aber Spaß. Unbedingt in die feinknusprigen Mandelmakronen der Nobel-Pâtisserie "Ladurée" investieren! Sie
schmecken so viel besser als alle anderen. Unter anderem 16 Rue Royale und 21 Rue Bonaparte, www.laduree.fr.
Pont des Arts
Als verliebtes Paar ist es inzwischen beinahe Pflicht, am eisernen Brückengeländer zwischen Louvre und Saint-Germain ein Schloss anzubringen. Der Schlüssel wird danach in die Seine geworfen – nach den in Baumstämme geritzten Herzen scheint das die neue Art, seine Liebe zu besiegeln.
Promenade Plantée
Beim Spaziergang auf dem ehemaligen, inzwischen begrünten Metro-Viadukt fühlt man sich wie Julie Delpy und Ethan Hawke. Die beiden schlendern in dem Film "Before Sunset" ebenfalls hier entlang. Es duftet nach Linden, Lavendel, Rosen. Und weil der 4,5 Kilometer lange Promenadeweg auf halber Höhe der Häuser verläuft, blickt man immer wieder in fremde Wohnzimmer hinein. Zugang zum Beispiel an der Bastille, www.promenadeplantee.org.
Ab 16. Mai 2012 am Kiosk
Wie schaffen die das bloß? In unserem Dossier dreht sich alles ums Thema Druck - und wie man damit gut umgehen kann. Die Redaktion verrät ihre liebsten Badeseen. Außerdem: das große Liebeshoroskop und eine Reportage über Rückkehrer.
Ab 13. Juni 2012 im Kiosk.
In unserem Archiv können Sie Inhalte älterer Ausgaben durchstöbern und Hefte nachbestellen.
Sie möchten regelmäßig Informationen und wertvolle Tipps erhalten? Dann registrieren Sie sich für unseren Newsletter.
© emotion.de 2012, Emotion.de haftet nicht für die Inhalte externer Websites