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Auf den Spuren von Reinhold Messner

Messner Mountain Museum

Heute war ich im Messner Mountain Museum Firmian, einem von fünf Orten, die Reinhold Messner den Bergen gewidmet hat. Ausstellungsort: die Burg Sigmundskron, es sei ein Erlebnismuseum sagt der berühmte Bergsteiger. Es gehe darum, zu zeigen, was mit uns passiert, wenn wir dem Berg begegnen. Messner ist sich sicher: „Die Berge haben allen etwas zu sagen, auch Menschen, die nie etwas Höheres bestiegen haben als einen Barhocker.“

Vor allem denen rate ich, sich für den Museumsbesuch festes Schuhwerk  anzuziehen. Denn die Ausstellung führt über tausende von Stufen. Hoch, runter, hoch, runter. Wetten, dass Sie nach der Besichtigung ähnlich erledigt sein werden wie nach einer Wanderung? So ging es mir zumindest – und das, obwohl ich ja jetzt schon viel trainierter bin, als zu Beginn meiner Reise.

Am Eingang der Burg wacht ein riesiger Buddha und über dem alten Gemäuer flattern tibetische Gebetsfahnen im Wind. Was diese Symbole in Norditalien zu suchen haben? Nun ja, erstens landet fast jeder Bergsteiger, der es ernst meint, irgendwann in Tibet oder Nepal, um die 7000er zu bezwingen. Zweitens ist Spiritualität in Südtirol so gegenwertig wie die Sonne, die hier angeblich 300 Tage im Jahr scheint. Auf dem Weg auf etwas Höheres begegnet man wohl auch etwas Höherem.

Im „MMM Firmian“ stehe der Berg als Medium für all die Hoffnungslosigkeit, Ängste und Wiedergeburtsgefühle, die wir beim Bergsteigen erleben, sagt Messner. Die Ausstellung führt uns durch unterschiedliche Gesteinsschichten und Lebensgeschichten, man geht an Bronzen aus dem Himalaya vorbei, aber auch an europäischen Kunstwerken, die sich mit der Bergwelt beschäftigen. Und ganz am Ende des Rundgangs streckt die buddhistische Figur „der Sinnfresser“ dem Besucher die Zunge heraus. Seine herausragenste Eigenschaft: alles zu hinterfragen.

Messner Mountain Museum1

Was ist es, das die Menschen immer höher hinaufsteigen, ihre Grenzen überwinden lässt? Trotz der Gefahren, die lauern? Einer der berührensten Räume ist der, in dem Fotos von Bergsteigern hängen, die auf einer ihrer Touren den Tod gefunden haben. Wie jung ihre Gesichter sind. Ich atme tief durch. Woher nimmt man den Willen, sich den Urgewalten der Natur zu stellen? Koste es, was es wolle?

Eine der Frauen, die ich in Südtirol kennengelernt habe, erklimmt regelmäßig 7000er Gipfel. Für sie sind solche Touren Lebenselexier. Aufregend, beflügelnd, beruhigend – alles zusammen. Als sie einmal mit ihrem Mann unterwegs war, entdeckte er in ihrem Schlafsack ihr Tagebuch. Beim Durchblättern wurde er schrecklich eifersüchtig. „Er dachte, ich hätte eine Beziehung mit dem Bergführer“, erzählte sie mir. „Was für ein Unsinn! Nicht mit dem Bergführer, mit dem Berg habe ich eine Beziehung.“

Gibt es auch in meinem Leben eine Beziehung, die mich auf ähnliche Weise inspiriert?, überlege ich auf dem Weg zurück ins Tal. Eine Frage, die mich immer noch beschäftigt.

 

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