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Leben im Jetzt: Heute ist mein Lieblingstag

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Carpe Diem – “pflücke den Tag” heißen die beiden Worte direkt übersetzt. Und genau darum geht es in der neuen EMOTION: Das meiste aus einem Tag herausholen und das tun, wozu man wirklich Lust hat.  Mitarbeiterinnen aus Redaktion und Verlag haben sich ein Beispiel genommen und versucht, einen Tag zu ihrem Lieblingstag zu machen. Heute: Isabella Weinmann von EMOTION Magazin


 

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Isabella vom EMOTION Magazin fragt sich, warum wir nicht jeden Tag zu unserem Lieblingstag machen

Heute ist mein Lieblingstag? Und was ist mit morgen und übermorgen? Und hätte nicht auch „gestern“ die Berechtigung dazu gehabt, mein Lieblingstag zu sein? Und überhaupt, Lieblingstag. Funktioniert das eigentlich? Dass ich mir morgens bewusst vornehme, diesen einen Tag so zu gestalten, dass ich abends, erfüllt von Dankbarkeit und Glück ob dieser kostbaren, in Liebe getränkten Stunden, im Bett liege?

Und wenn das wirklich funktionieren sollte, dieses sich bewusst dazu entschließen, die kommenden Stunden mit offenen Armen zu empfangen, sie mit wohltuenden Handlungen anzureichern, nur zu tun, was sich gut anfühlt, zu genießen und absolut präsent zu sein – dann frage ich mich: Warum machen wir nicht jeden Tag zu unserem Lieblingstag?

Ich war vor kurzem ein paar Tage in Amsterdam; und war überwältigt von der Entspanntheit und Lebensfreude, die in dieser Hafencity vorherrschen. Zugegeben, eine Stadt, die Heineken hervorbringt, den Verkauf „weicher Drogen“ in der Öffentlichkeit duldet, in der das Rotlichtviertel eine der bekanntesten Touristenattraktion darstellt und das primäre Fortbewegungsmittel das Fahrrad ist, hat per se wohl einen geringen Stresspegel. Und natürlich tragen all diese Gegebenheiten zu mehr Gelassenheit bei – auch wenn sie teilweise nur auf „künstlichem Weg“ erzeugt wurde.

Es war aber etwas anderes, das mich fasziniert hat. Ich kannte bis dato keine andere Stadt, in der Versuchung, Lust und Laster so charmant und lieblich verpackt sind und vor dem Hintergrund einer fast schon märchenhaft anmutenden Kulisse absolut selbstverständlich in den Alltag integriert werden. Mit den Bedürfnissen des einzelnen – wenngleich es sich in der Außenwirkung um scheinbar „verbotene“ und anrüchige handelt – wird offen umgegangen, sie dürfen ausgelebt, ohne verurteilt zu werden.

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Aufgenommen bei einem Spaziergang durch Amsterdam…

Ich plädiere jetzt nicht für die Legalisierung von Drogen oder einen öffentlich zur Schau gestellten Umgang mit Bondage & Co. Aber ich bin der Überzeugung, dass mit den Themen Genuss und Lebensfreude, die natürlich auf äußerst unterschiedliche Art und Weise erreicht werden können, viel liberaler umgegangen werden sollte. Sich selber und anderen gegenüber. Wir leben in einer leistungsorientierten Gesellschaft, in der derjenige bewundert wird, der am meisten verdient, am gesündesten lebt und am besten „funktioniert“. Und die Bewunderung steigt je mehr Anstrengung es kostet, all das zu erreichen. Ein genussvolles Leben zu führen (und mit genussvoll meine ich nicht nur in lukullischer Form), wird hingegen fast als Ausnahme gesehen und fällt unter den Begriff „sich etwas gönnen“. Oder es wird unterstellt, man lasse sich gehen, lebe opportunistisch, habe das Gemeinwohl nicht im Blick, wenn man sich „traut“, seinen eigenen und vielleicht „von der Norm abweichenden“ Bedürfnissen nachzugehen anstatt den allseits anerkannten Wahnsinn eines minutiös durchgetakteten Alltags mitzumachen. Dabei ginge es uns doch allen noch besser, würden wir unsere Bedürfnisse viel öfter befriedigen – und zwar auch solche, für die wir keine lobende Anerkennung anderer bekommen und die vielleicht nicht die ehrbarsten sind – dafür aber einfach nur menschlich; wenn wir uns selber mit mehr Achtung und Aufmerksamkeit begegnen, darauf hören, was wir wirklich wollen und nicht nur darauf, was wir wollen sollen.

Dann sind wir wahrscheinlich auch in der Lage aus voller Überzeugung zu sagen: Heute ist mein Lieblingstag, so wie gestern und auch morgen.

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