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EMOTION.DOSSIER zur Entschleunigung: „Urlaub wie damals”

Entschleunigung_Blog_Isabella

Entschleunigen, wie schön wäre das: einfach tun, worauf man wirklich Lust hat. Jetzt gleich. Ohne Druck. Das kann gelingen: indem man sich“Resonanzoasen” schafft oder Zeit verschenkt statt spart. Hier ein paar Stimmen darüber, wie man das beste aus seiner freien Zeit herausholt. 


 

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Isabella vom EMOTION Magazin will im Urlaub Alltägliches vermeiden…

„Urlaub und Erholung. Setzt das eine das andere voraus? Besteht tatsächlich ein kausaler Zusammenhang? Oder versteckt sich dahinter vielmehr einer der größten Widersprüche unseres modernen Freizeitbegriffs?

Laut Wikipedia verstehen wir unter Urlaub die Zeit, die ein arbeitsfähiger Arbeitnehmer, Beamter, Soldat oder auch Selbstständiger von seinem Arbeitsplatz berechtigt fernbleibt, obwohl nach Tages- und Wochenzeit eigentlich Arbeitsleistungen zu erbringen wären.

Übersetzt heißt das: Neben der Tatsache, dass es sich bei Urlaub ohnehin um eine knappe Ressource handelt, verbringen wir diese noch in dem Bewusstsein, dass wir eigentlich arbeiten und deshalb in großer Dankbarkeit schwelgen müssten, einige Tage von der Arbeit befreit zu werden.

Auf mich übte diese Überlegung regelmäßig großen Druck aus. Druck dahingehend als dass ich mich in Folge verpflichtet fühlte, das Beste aus diesem „freien“ Zeitraum herauszuholen und das ohnehin knappe Gut möglichst effektiv zu nützen.

Soll ich endlich wie eine Freundin von mir die schon ewig geplante aber nie durchgeführte Fastenwoche in Angriff nehmen, um nicht länger dem Detox-Trend nur hinterher zu laufen? Oder zwei Wochen Sprachkurs in Frankreich zur Auffrischung der eingerosteten Französisch Kenntnisse? Die finden zwar ohnedies nie Anwendung, aber ab einem gewissen Alter müsste man ja auch dem geistigen Verfall entgegen wirken – Stichwort: Gehirnjogging, neue Synapsenbildung beim Vokabeln pauken etc. Oder doch der Rucksack Trip durch Indien inkl. der Entsagung jeglicher materieller Abhängigkeit, dem Besuch eines Ashrams für die Erfahrung spiritueller Tiefe und einem Abstecher nach Mysore zur Perfektionierung der Yoga-Kenntnisse?

Sprechen wir bei dieser Art der Urlaubskonsumierung, die dem einen oder anderen sicherlich auch bekannt vorkommt, aber eigentlich noch von Erholung? Und was ist mit den angepriesenen Kurz-Trips? Ehrlicherweise taucht vor meinem geistigen Auge in diesem Zusammenhang gerne der Begriff des ökonomischen Prinzips bzw. der Gewinnmaximierung auf: innerhalb kürzester Zeit unter Einhaltung eines meistens knapp kalkulierten Budgets möglichst viel erleben. Das Wort Erholung scheint mir aber auch hier ein wenig deplatziert.

Zum Glück ist das Thema Entschleunigung aber auch an mir nicht spurlos vorbei gezogen. Und mit der Achtsamkeitsbewegung habe ich mich sogar schon intensiv auseinander gesetzt. Mit dem Ergebnis, dass ich jetzt versuche, Urlaub nicht nur in den dafür vorgesehenen Zeiträumen zu „leben“, sondern ihn möglichst oft in meinen Alltag einzubauen: Fremdländische Spezialitäten in bisher unbekannten Restaurants verkosten, am Sonntag auf jegliche technische Kommunikationsmittel verzichten und in Folge die optische und akustische Stille genießen oder stundenlang ziellos in weniger bekannten Bereichen der Heimatstadt herumlaufen und neue Eindrücke auf sich wirken lassen. Das alles hilft mir persönlich, auf möglichst banalem und teilweise vielleicht auch sinnlosem Weg Urlaub vom Alltag und auch von mir und meiner Anforderung an mich selbst zu nehmen. Vielleicht ein bisschen so wie damals als Kind als mein Urlaubswunsch einfach nur darin bestand, möglichst viele Eissorten zu probieren, stundenlang im neuen Sommerkleidchen barfuß über Wiesen zu laufen und abends endlos wach zu bleiben.

Die Überlegungen Sprachkurs, Yogareise oder Detox-Kur existieren zwar teilweise immer noch, aber meine Einstellung dazu hat sich geändert. Ich laufe nicht mehr dem Anspruch hinterher, möglichst viel aus meinem Urlaub herauszuholen, sondern versuche mich mit fast kindlicher Neugierde auf Neues einzulassen. Mein Anspruch besteht jetzt darin, im Urlaub Alltägliches tunlichst zu vermeiden, strikte Zielsetzungen zu verbannen und das Kind in mir sprechen zu lassen.

Und was soll ich sagen: ich war schon lange nicht mehr so erholt.“

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